Vom 29. Juli bis 3. August 2025 durfte ich die Schachelschweine beim 1. Granada International Chess Open vertreten – ein Turnier, das in vielerlei Hinsicht besonders war: für mich persönlich, für die internationale Schachszene und für die Stadt Granada selbst.
Ein buntes, starkes Feld
Knapp 300 Spielerinnen und Spieler aus fast allen Kontinenten trafen sich in Andalusien. 62 Titelträger nahmen teil, darunter acht Großmeister mit Elo-Zahlen bis 2544 (Casper Schoppen, Niederlande). Gleichzeitig mischten überwiegend Amateure mit nationaler Elo bis in den 1200er-Bereich mit. Die spanischen Gastgeber stellten mit 220 Teilnehmern die größte Gruppe, während vier Deutsche an den Start gingen.
Sieger wurde GM Liam Vrolijk (Niederlande) mit 7,5 Punkten aus 9 Partien vor GM Bartlomiej Heberla (Polen, 7/9 Pkt.) und dem 18-jährigen Argentinier IM Joaquin Fiorito.(7/9 Pkt.).
Mein Weg durchs Turnier
Für mich war es eine Premiere: Erst im Juni 2025 hatte ich meine erste FIDE-Elo bei der Hamburger Einzelmeisterschaft erworben – nach mehr als 50 Jahren Schach! Ich startete auf Platz 188 mit einer Elo von 1804 und konnte am Ende mit 4,5 Punkten aus 9 Runden ein solides Ergebnis erzielen. Meine Elo stieg leicht auf 1806, und ich landete auf Rang 162.
Austragungsort war das Hotel Porcel Alixares, direkt gegenüber der Alhambra. Die Organisation war hervorragend: zwei klimatisierte Spielsäle, kostenlose Getränke, schnelle Auswertung, freundliche Ansprechpartner., vergünstigte Hotelpreise für Teilnehmer. Insgesamt standen über 9.000 € Preisgeld bereit.
Granada – Wo Schach Geschichte schrieb
Dass gerade Granada Austragungsort des Opens war, hat einen tiefen historischen Bezug: Hier wurde im späten Mittelalter eine entscheidende Regeländerung eingeführt, die Schach zu dem machte, was wir heute kennen.
Im frühen Schach konnten die Dame (damals „fersa“) und der Läufer („alfil“) nur eingeschränkt ziehen, was die Partien oft über viele Stunden in die Länge zog. Ende des 15. Jahrhunderts, kurz nach der Eroberung Granadas 1492, tauchte die „neue Schachregel“ auf: Die Dame erhielt ihre heutige Bewegungsfreiheit. Der Läufer durfte nun beliebig weit diagonal ziehen.
Das Spiel wurde schneller, dynamischer und strategisch anspruchsvoller – die Grundlage des modernen Schachs. Nicht zufällig sprach man in Spanien bald vom „ajedrez de la dama“ („Schach der Dame“). Manche Historiker sehen darin sogar eine symbolische Parallele zur mächtigen Königin Isabella von Kastilien.
Granada ist somit ein Schlüsselort in der Schachgeschichte – und jetzt auch Heimat eines internationalen Opens.
Schach & Urlaub – eine perfekte Mischung
Neben den Partien bot Granada zahlreiche Möglichkeiten zur Erholung: Sierra Nevada, Costa Tropical, und der Mulhacén (3482 m), höchster Berg des spanischen Festlands. Ein Schachturnier, das man bestens mit einem Familienurlaub verbinden kann.
Ausblick
Die Organisatoren des Schachclubs La Zubia waren begeistert von der Resonanz und planen bereits das zweite Granada Open im nächsten Jahr. Für mich steht jedenfalls fest: 'Ich werde wieder dabei sein!'
Mehr Infos: https://www.granadachessopen.com/en/
Thorsten Piehl

GM Sumets gegen GM Schoppen

Panorama von der Hotelterrasse